Work-Life-Balance

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Kürzlich fand ich in einem Forum einen Link zu einem sehr ironischen Artikel zum Thema „Burn-Out“:

http://www.focus.de/gesundheit/gesundleben/stress/symptome/forschung-und-technik-medizin-burn-out-ist-chic_aid_673005.html

Dieser Artikel hat mich sehr nachdenklich gemacht. Ist „Burn Out“ tatsächlich „schick“? Ist es eine Modekrankheit unserer Zeit? Möglicherweise sogar nur eine Ausrede für Leute, die keine Lust mehr haben zu arbeiten?

Vorweg: Ich kenne einige Betroffene, die einen Burn Out hinter sich haben. Ich weiß, dass das kein Spaß ist. Und ganz sicher ist, für die Betroffenen ist die erzwungene Auszeit durch den Burn Out keine „Freizeit“.

Woher kommt es aber, dass dieser Begriff heute in aller Munde ist? Ich persönlich glaube, das hat sehr viel mit dem Leistungsgedanken unserer Gesellschaft zu tun … Ich zitiere einen Satz aus dem verlinkten Artikel: „Wer sich nicht ruiniert, aus dem wird nichts (Peter Rühmkorf)“.

Erfolgreich ist der, der viel zu tun hat. „Stress“ ist ein Statussymbol. Menschen, die 60 Stunden die Woche arbeiten, werden bewundert … Die müssen wichtig sein! Müßiggang ein Laster. Pause machen, sich einfach beim Nichtstun erholen, ist verpönt.

Verzeihen Sie die Plattitüden, sicher sind diese Aussagen sehr ins Extreme verzerrt, aber ich erlebe diese und ähnlich geartete Denkweisen sehr oft. Oft macht das Leben unter Hochdruck ja auch eine Menge Spaß. Mit den Herausforderungen gewinnt man neue Einsichten und Erfahrungen, dazu kommt die soziale und finanzielle Anerkennung.

Die Frage ist nur, wie lange kann man wirklich dauerhaft effizient sein, wenn man sich nicht erlaubt, hin- und wieder auch einmal zur Ruhe zu kommen?

Nur zwei Beispiele, welche Folgen eine starke Belastung und ein unausgeglichenes Verhältnis von Arbeit und Freizeit haben können:

Stress, sofern er negativ erlebt wird wie zum Beispiel durch Termindruck, schwächt das Immunsystem.

Schlafmangel kann gravierende körperliche (Verschlechterung der Blutzuckerwerte, Produktion der Schilddrüsenhormone gerät durcheinander) und psychische Folgen (z.B. Wahrnehmungs- und Konzentrationsstörungen) nach sich ziehen.

Eine ausgewogene Work-Life-Balance, das heißt die Richtige Balance zwischen Karrierezeilen und Privatleben hilft, Langzeitfolgen durch zu hohe Arbeitsbelastung und körperliche und physische Schäden zu vermeiden.

Was können Sie dafür tun?

  • Machen Sie sich bewusst, dass Sie nicht permanent erreichbar sein müssen.

    Wie viele E-Mails erhalten Sie täglich, die eine sofortige Beantwortung zwingend erforderlich machen?Erlauben Sie sich, Ihren E-Mail-Posteingang nur noch zu festen Zeiten abzurufen. Einmal morgens, einmal zur Mittagszeit, vielleicht noch einmal in der Stunde vor Feierabend. Sie werden so nicht ständig durch neu eintreffende E-Mails bei Ihrer Arbeit unterbrochen.

    Wie viele Telefonanrufe erhalten Sie, die Ihre sofortige Erreichbarkeit voraussetzen?Schalten Sie Ihr Handy einfach einmal aus, gerade nach Feierabend und am Wochenende!

  • Achten Sie auf regelmäßige Bewegung.

    Dabei geht es nicht um Hochleistungssport. Dreimal die Woche 30 Minuten sind völlig ausreichend, um den nötigen Abstand zu Alltagsproblemen zu bekommen. Egal, ob Fahrradfahren, Schwimmen, Walking oder joggen – Wählen Sie eine Sportart, die Ihnen Spaß macht.

  • Lernen Sie „Nein“ zu sagen.

    „Nein“ zu sagen oder auch einmal eine Aufgabe abzugeben ist keine Schwäche. Im Gegenteil: Es zeigt, dass Sie sich und Ihre Ressourcen einschätzen können.Wer niemals „Nein“ sagt riskiert, schnell an die Grenzen der eigenen Belastbarkeit zu geraten.

  • Machen Sie Pausen!

    Nach etwa 1,5 Stunden konzentrierter Tätigkeit lässt die körperliche Leistung nach, egal, ob Sie geistig oder körperlich arbeiten. Darüber hinaus zu arbeiten ist selten effizient.

    Planen Sie daher regelmäßig kleinere Pausen ein, in denen Sie vielleicht einen kurzen Spaziergang machen und dabei frische Luft und Kraftreserven tanken. Der „Zeitaufwand“ für diese Arbeitsunterbrechung ist durch die höhere Leistungsfähigkeit nach der Pause schnell wieder wett gemacht.

  • Reservieren Sie in Ihrem Kalender Termine mit sich selbst.

    Wer beruflich stark eingespannt ist neigt dazu, die eigenen Hobbies und Aktivitäten hinten an zu stellen. Ganz schnell bleibt dann der Vorsatz, sich mehr zu bewegen, genau das: Ein Vorsatz.

    Indem Sie Ihre eigenen Aktivitäten genauso wie Termine mit Ihren Geschäftspartnern in Ihrem Kalender eintragen unterstützen Sie sich dabei, diese nicht immer wieder zu verschieben, bis sie in Vergessenheit geraten.

  •  Delegieren Sie Aufgaben.

    Wenn Sie nicht immer alles allein machen, gewinnen Sie Zeit, sich um wichtige Aufgaben und Projekte zu kümmern.

    „Bis ich das erklärt habe, habe ich es dreimal selbst gemacht!“ Das mag sogar stimmen, gerade, wenn es sich um Standard- und Routinetätigkeiten handelt. Aber: Diese Tätigkeiten werden nicht nur dreimal zu erledigen sein … Und ab der vierten Wiederholung amortisiert sich Ihr Zeitaufwand.

    Wenn Sie keine Mitarbeiter haben, denen Sie Ihre Aufgaben delegieren können, suchen Sie nach einem externen Dienstleister, der Ihnen diese Aufgaben abnehmen kann. Sie profitieren dann nicht nur durch die Arbeitsentlastung sondern noch dazu von der Routine und Erfahrung des Dienstleisters, der diese Tätigkeiten vermutlich sogar schneller und effizienter erledigen kann als Sie.

Sicher wird es nicht immer und jederzeit möglich sein, all diese Tipps zu beherzigen. Aber es ist ein Beginn, damit anzufangen, besser auf sich und die Signale seines Körpers zu hören und sich selbst wichtiger zu nehmen.

Wie ist Ihre Meinung zu diesem Thema? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Kommentieren Sie hier im Blog, ich freue mich auf einen interessanten Austausch!

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4 Responses to Work-Life-Balance

  1. Renate says:

    Burnout ist in aller Mund…
    Ihr Artikel gefällt mir sehr gut und trifft genau den Punkt.
    Ich habe im letzten Jahr von versch. fachlichen Persönlichkeiten gehört, dass für Sie dieses Burnout in Wirklichkeit Depression heisst!
    Wer will mit dieser Diagnose Depr. leben? Niemand.
    Burnout ist zwar ein Modewort (akzeptiert von der Gesellschaft), jedoch sind die Therapien der Depr. ähnlich, wenn nicht gleich…
    Ich würde auch noch sagen, betroffene Menschen sind extrem pflichtbewusst und perfektionistisch und das bringt ihnen einen Eigenstress/-druck, welcher seinen neg. Teil dazutut (Bewusstheit fehlt noch/Ihre Tipps sind goldrichtig).

  2. BüroSmart says:

    Renate, vielen Dank für Ihr Feedback.

    Mit der Diagnose Depression möchte sicher niemand gern leben. Ich hoffe, dass mein Artikel dem ein oder anderen hilft, rechtzeitig die Notbremse zu ziehen, bevor er in eben dieser Situation landet.

  3. Katja says:

    Tolle Tipps, unter anderem sind soziale Kontakte ganz wichtig. Auch hierfür sollte genug Zeit eingeplant werden.

    Die eigentliche Diagnose Brun out gibt es im ICD nicht, aus diesem Grund wird Burn out als Depression gelistet.

    Meiner Meinung nach müssten Führungkräfte hier auch geschult werden, damit man dem Mitarbeiter früh helfen kann.

    Immer mehr Unternehmen bieten Seminare zum Thema psychische Gesundheit an.

    Auch die Krankenkassen informieren die Mitglieder regelmäßig zu diesen Themen.

    Ich finde es gut, dass auch über das Outen von Promis die Gesellschaft auf das Krankheitsbild aufmerksam gemacht wird.

    Ich musste auch erst lernen, dass 120 % Power krank machen, wobei 80 % auch ausreichen.

    • BüroSmart says:

      Vielen Dank für diesen ausführlichen Kommentar.

      Sozialen Kontakten sind ganz sicher ausgesprochen wichtig, ich bin allerdings nicht sicher, ob diese einen Burnout verhindern können, da das vernachlässigen von sozialen Kontakten zu den Frühwarnzeichen eines beginnenden Burnout gehören kann.

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